Schulen in Uganda wieder geschlossen:
Rückschlag für das Sharing Youth Centre

Dank harter Arbeit und vieler gemeinsamer Anstrengungen schien es nach der großen Krise endlich wieder aufwärts zu gehen beim Hetzerather Projektpartner Sharing Youth Centre in Uganda. Doch jetzt sind leider erneut schwierige Zeiten angebrochen: Weil die Zahl der Corona-Infizierten im Land stieg, schloss die Regierung am 7. Juni ohne Vorankündigung sämtliche Schulen im Land. Auch das Berufsschulzentrum von Sharing, das gerade wieder gut in Schwung gekommen war, musste “von jetzt auf gleich” die Arbeit einstellen. Nach nur einem Monat Unterricht mussten sämtliche Schülerinnen und Schüler, die am 3. Mai ihre Ausbildung begonnen hatten, nach Hause geschickt werden. “Viele haben geweint”, berichtet Schulleiter Father Hilaire Guiko von dem Montagvormittag, als er mit der schlechten Nachricht die Runde durch die Klassenräume machte. Doch bis zur Mittagszeit war das Schulgelände wieder verwaist.
Denn vor allem für diejenigen unter den Schülerinnen und Schülern, die für die Chance auf einen Berufseinstieg aus ländlichen Gebieten zu Sharing in die Hauptstadt Kampala gekommen waren, war Eile geboten. Sie mussten sozusagen Hals über Kopf aufbrechen. Denn gleichzeitig mit der Schulschließung kündigte die Regierung an, dass ab 10. Juni keine Überlandfahrten in Uganda mehr erlaubt sind – wer bis dahin sein Heimatdorf nicht erreicht hatte, sitzt fest. Wie im langen, harten Lockdown von 2020, als das Leben im Land für Monate zum Erliegen kam und zeitweise sogar die Lebensmittelversorgung zusammenbrach, überwacht das Militär die Einhaltung der Corona-Regeln streng – und scheut erfahrungsgemäß nicht vor Gewaltanwendung zurück.
Die Schulschließung soll gemäß Anordnung des Präsidenten zunächst 42 Tage dauern, also bis Mitte Juli. Für diesen Zeitraum haben die Lehrkräfte den Auszubildenden Aufgaben und Tipps zum eigenständigen Weiterlernen mit auf den Weg nach Hause gegeben. Für Studierende, die Zugang zum Internet haben, stehen auch Online-Einheiten bereit. Unklar ist, wie es danach weitergehen wird. Es ist nicht bekannt, von welchen Fakten die Regierung die Entscheidung über eine Wiedereröffnung abhängig machen wird.
Ebenfalls verboten sind derzeit Gottesdienste – weshalb es kürzlich erstmals eine gestreamte Sonntagsmesse gab – und Veranstaltungen wie Familienfeiern. Auch das trifft Sharing hart: In den vergangenen Monaten war es gelungen, die große Mehrzweckhalle wieder für diverse Aktivitäten zu vermieten. Über die Halle hatte Sharing “vor Corona” einen beträchtlichen Teil der Einnahmen erzielt, die notwendig sind, um den laufenden Betrieb zu finanzieren und die Schulgebühren erschwinglich zu halten.
Immerhin dürfen der neue Friseursalon, das Sharing Restaurant und der Schneiderladen mit Änderungswerkstatt weiter betrieben werden, zwar unter strengen Corona-Auflagen und nur bis 19 Uhr, aber alle drei erst kürzlich in einem Neubau am Eingang eröffneten „Betriebe“ konnten sich in kürzester Zeit gut am Markt etablieren.
Und auch die Bauarbeiten für unser aktuelles Projekt, die Demonstration Farm für den neuen landwirtschaftlichen Ausbildungsgang, können weitergehen. Große Teile des Zauns um das Gelände stehen bereits, die Maurer sind fast fertig mit den Wänden des Schweinestalls, die Arbeiten zur Fassung der Quelle im Sharing Garden haben begonnen.
Wir hoffen mit den ugandischen Freunden, dass die erneute Schließung bald wieder ein Ende findet!