12. August 2021

Trotz Lockdown und Schulschließung:
Die Farm von Sharing nimmt weiter Gestalt an

Die Zahl der Toten steigt stetig in Uganda: Immer mehr Menschen sterben am Hunger, der aufgrund des erneuten Corona-Lockdowns im Land grassiert. Besonders angespannt ist die Versorgungslage in den Städten, und vor allem in der Hauptstadt Kampala. Unzählige Familien leben dort im wahrsten Sinn des Wortes „von der Hand in den Mund“. Schon in normalen Zeiten konnten sie sich frische Lebensmittel oft nur dann leisten, wenn ein Familienmitglied einen Gelegenheits-Job ergattert hatte. Jetzt aber verlängerte die Regierung den am 7. Juni verhängten Lockdown (siehe dazu Beitrag vom 10. Juni 2021 unten) auf unbestimmte Zeit. Das heißt für viele: keine Verdienstmöglichkeit und damit kein Essen. Gleichzeitig sind die Preise für Lebensmittel erneut stark gestiegen.
Dabei hatten die Menschen gerade erst wieder Mut gefasst. Nach dem Schock des 7-monatigen harten Lockdowns 2020 war die Wirtschaft des Landes im ersten Halbjahr 2021 wieder gut in Tritt gekommen; der Alltag unter Einhaltung von Corona-Vorsichtsmaßnahmen hatte sich eingespielt. Bereits die erneute Schließung, begründet mit der steigenden Zahl an Infizierten, sorgte für enorme Frustration in der Bevölkerung. Da die Infizierten-Zahlen jedoch deutlich sanken, herrschte große Hoffnung auf baldige Wieder-Öffnung. Umso schlimmer die Enttäuschung, als der Präsident die Verlängerung des Lockdowns verkündete – und das Ende auch noch mit Erreichen einer Impfquote verknüpfte. Denn Impfstoffe sind in Uganda absolute Mangelware. Vor diesem Hintergrund verstärkte eine „Hilfsaktion“ der Regierung den Unmut sogar noch weiter: 523.000 ausgewählte Personen (von insgesamt rund 46 Millionen Einwohnern) erhielten jeweils 100.000 Uganda-Shilling als Soforthilfe . Das sind umgerechnet 22 Euro – eine Familie mit 5 oder 6 Kindern kommt damit keine Woche über die Runden.
3.000 Euro aus Hetzerath für den Nothilfefonds
Auch in der Community rund um unseren Projektpartner Sharing Youth Centre gibt es immer mehr Familien, die sämtliche Reserven aufgebraucht haben. Um die schlimmste Not zu lindern, wurden vom Hetzerather Uganda-Konto 3.000 Euro in den Sharing-Nothilfefonds überwiesen. Der Betrag stammt überwiegend aus Einzelspenden, die in der letzten Zeit getätigt wurden. Mit dem Geld beschafft ein eigens eingesetztes Komitee der Sharing Community Grundnahrungsmittel wie Mehl oder Öl und verteilt diese an die Bedürftigsten.
Die „Demonstration Farm“ kann bald produzieren
Trotz Lockdown planmäßig voran kommt das mit Geld aus dem deutschen Entwicklungshilfeministerium geförderte „AgroBusiness Project“, an dessen Ende Sharing über eine „Demonstration Farm“ für die landwirtschaftliche Ausbildung verfügen wird. Die vorhandene Quelle auf dem Gelände ist gefasst und speist einen 10.000 Liter fassenden Beton- sowie zwei jeweils 5.000 Liter fassende Plastik-Tanks. Über eine solarbetriebene Verteilungsanlage können alle Bereiche der Farm punktgenau mit Wasser versorgt werden.
Zuletzt wurde das eben errichtete Folienhaus an die Wasserversorgung angeschlossen; es kann damit für die Anzucht eigener Pflanzen genutzt werden. Neben verschiedenen anderen Gemüsen sollen auf dem Gelände der Farm aktuell mehrere hundert Tomatenstöcke gepflanzt werden. Dank der über das Projekt geschaffenen Bewässerungsmöglichkeit werden sie auch in den jetzt kommenden trockenen Monaten gut gedeihen, wenn auf dem Markt die höchsten Preise zu erzielen sind.

Im ebenfalls bereits fertigen Schweinestall haben die ersten trächtigen Muttersauen Einzug gehalten. Bald sollen sie (hoffentlich viele) Ferkel haben, die aufgezogen werden können. Dank sorgsamem Umgang mit dem Fördergeld aus Deutschland konnte auch gleich noch ein Unterstand gebaut werden, in dem zusätzlich noch Hühner gehalten werden sollen.
Im anhaltenden Lockdown ist natürlich auch die Berufsschule von Sharing weiterhin geschlossen. Um bei einer Öffnung sofort „startklar“ zu sein, wurde dennoch bereits ein erster landwirtschaftlicher Ausbildungskurs ausgeschrieben – und stieß auf großes Interesse. Wann er beginnen kann, ist ungewiss. Die täglich anfallende Arbeit auf der Farm leisten deshalb derzeit das Mitarbeiterteam der Schule und jugendliche Freiwillige aus der Sharing Community.

10. Juni 2021

Schulen in Uganda wieder geschlossen:
Rückschlag für das Sharing Youth Centre

Dank harter Arbeit und vieler gemeinsamer Anstrengungen schien es nach der großen Krise endlich wieder aufwärts zu gehen beim Hetzerather Projektpartner Sharing Youth Centre in Uganda. Doch jetzt sind leider erneut schwierige Zeiten angebrochen: Weil die Zahl der Corona-Infizierten im Land stieg, schloss die Regierung am 7. Juni ohne Vorankündigung sämtliche Schulen im Land. Auch das Berufsschulzentrum von Sharing, das gerade wieder gut in Schwung gekommen war, musste “von jetzt auf gleich” die Arbeit einstellen. Nach nur einem Monat Unterricht mussten sämtliche Schülerinnen und Schüler, die am 3. Mai ihre Ausbildung begonnen hatten, nach Hause geschickt werden. “Viele haben geweint”, berichtet Schulleiter Father Hilaire Guiko von dem Montagvormittag, als er mit der schlechten Nachricht die Runde durch die Klassenräume machte. Doch bis zur Mittagszeit war das Schulgelände wieder verwaist.
Denn vor allem für diejenigen unter den Schülerinnen und Schülern, die für die Chance auf einen Berufseinstieg aus ländlichen Gebieten zu Sharing in die Hauptstadt Kampala gekommen waren, war Eile geboten. Sie mussten sozusagen Hals über Kopf aufbrechen. Denn gleichzeitig mit der Schulschließung kündigte die Regierung an, dass ab 10. Juni keine Überlandfahrten in Uganda mehr erlaubt sind – wer bis dahin sein Heimatdorf nicht erreicht hatte, sitzt fest. Wie im langen, harten Lockdown von 2020, als das Leben im Land für Monate zum Erliegen kam und zeitweise sogar die Lebensmittelversorgung zusammenbrach, überwacht das Militär die Einhaltung der Corona-Regeln streng – und scheut erfahrungsgemäß nicht vor Gewaltanwendung zurück.
Die Schulschließung soll gemäß Anordnung des Präsidenten zunächst 42 Tage dauern, also bis Mitte Juli. Für diesen Zeitraum haben die Lehrkräfte den Auszubildenden Aufgaben und Tipps zum eigenständigen Weiterlernen mit auf den Weg nach Hause gegeben. Für Studierende, die Zugang zum Internet haben, stehen auch Online-Einheiten bereit. Unklar ist, wie es danach weitergehen wird. Es ist nicht bekannt, von welchen Fakten die Regierung die Entscheidung über eine Wiedereröffnung abhängig machen wird.
Ebenfalls verboten sind derzeit Gottesdienste – weshalb es kürzlich erstmals eine gestreamte Sonntagsmesse gab – und Veranstaltungen wie Familienfeiern. Auch das trifft Sharing hart: In den vergangenen Monaten war es gelungen, die große Mehrzweckhalle wieder für diverse Aktivitäten zu vermieten. Über die Halle hatte Sharing “vor Corona” einen beträchtlichen Teil der Einnahmen erzielt, die notwendig sind, um den laufenden Betrieb zu finanzieren und die Schulgebühren erschwinglich zu halten.
Immerhin dürfen der neue Friseursalon, das Sharing Restaurant und der Schneiderladen mit Änderungswerkstatt weiter betrieben werden, zwar unter strengen Corona-Auflagen und nur bis 19 Uhr, aber alle drei erst kürzlich in einem Neubau am Eingang eröffneten „Betriebe“ konnten sich in kürzester Zeit gut am Markt etablieren.
Und auch die Bauarbeiten für unser aktuelles Projekt, die Demonstration Farm für den neuen landwirtschaftlichen Ausbildungsgang, können weitergehen. Große Teile des Zauns um das Gelände stehen bereits, die Maurer sind fast fertig mit den Wänden des Schweinestalls, die Arbeiten zur Fassung der Quelle im Sharing Garden haben begonnen.
Wir hoffen mit den ugandischen Freunden, dass die erneute Schließung bald wieder ein Ende findet!