12. November 2021

Endlich wieder Unterricht bei Sharing – und:
Die „Demonstration Farm“ produziert!

Aus angekündigten 42 Tagen erneutem Corona-Stillstand wurden 21 zermürbende Wochen des Wartens: Seit 1. November darf die Berufsschule des Sharing Youth Centre in Kampala endlich wieder unterrichten. Trotz vieler pandemiebedingter Vorsichtsmaßnahmen – unter anderem Masken-, Abstands- und Handwaschpflicht – sind die Klassen voll. Aktuell sollen möglichst schnell die jungen Leute zu einem Abschluss geführt werden, die ihre Ausbildung nach Ende des ersten Lockdowns in Uganda begonnen hatten und diese wegen des zweiten Lockdowns unterbrechen mussten.
Father Hilaire Guinko, Leiter des Berufsbildungszentrums: „Wir sind sehr froh, dass wir die Erlaubnis zur vorzeitigen Öffnung bekommen haben und tun alles, um den Anforderungen der Regierung gerecht zu werden.“ Schon jetzt wieder unterrichten dürfen nämlich nur ausgewählte „höhere“ Bildungseinrichtungen – die Grundschulen beispielsweise sind weiter zu. Sie müssen noch bis zur für Januar 2022 versprochenen Öffnung des gesamten Landes hoffen.
Diese allerdings hat Präsident Musevenyi davon abhängig gemacht, dass ausreichend viele Menschen geimpft sind. Die Hoffnung, dass dies gelingt, ist riesig. Uganda erhielt in den vergangenen Wochen endlich größere Mengen an Impfstoffen unter anderem von den Vereinten Nationen, den USA und China – und die Aussicht auf ein Ende des Lockdowns hat die Impfbereitbereitschaft enorm gefördert.

Planmäßiger Aufbau der „Demonstration Farm“ trotz Lockdown
„Kein Unterricht“ über Wochen hinweg: Bei Sharing bedeutete das keineswegs, dass das Team die Hände in den Schoss legte. Ganz im Gegenteil: Alle Lehrkräfte und Verwaltungsmitarbeiter/innen packten zusammen mit jugendlichen Freiwilligen kräftig an beim aus Hetzerath mitfinanzierten „AgroBusiness Project“. Gemeinsam stellten sie sicher, dass die Produktion auf der „Demonstration Farm“ in Gang kam.
Dieses Übungsfeld ist Voraussetzung dafür, dass das wichtigste Ziel des „AgroBusiness Projects“ erreicht werden kann: der Aufbau eines praktisch orientierten Ausbildungsgangs in städtischer Landwirtschaft mit den Schwerpunkten Gemüsebau und Schweinehaltung. Mit Fördermitteln aus Deutschland waren deshalb über den Sommer in einem Teilbereich des Sharing Garden unter anderem ein Bewässerungssystem, ein Schweinestall und ein Foliengewächshaus installiert worden.
Eigentlich, so der Projektplan, sollte die Farm von den Auszubildenden in städtischer Landwirtschaft aufgebaut und betrieben werden. Der Kurs war auch ausgeschrieben worden und auf großes Interesse gestoßen. Doch die Bewerber/innen konnten ihre Lehre wegen des erneuten Lockdowns erst gar nicht beginnen. So leiteten die beiden neu eingestellten Fachlehrer eben ihre Kolleg(inn)en aus dem Sharing-Team an …

Bunte Gemüsevielfalt – und ein Stall voller Schweine
Die Ergebnisse von Ackerbau und Viehzucht bei Sharing sind beachtlich. Die erste Ernte des schnell wachsenden einheimischen Gemüses Dodo fand reißenden Absatz auf dem benachbarten Grünen Markt; die nächste Generation sprießt bereits kräftig. Dodo erinnert vom Aussehen und Geschmack her an Mangold und ist in der ugandischen Küche sehr beliebt.
Gut geschützt vor möglicher Wetter-Unbill wachsen im Foliengewächshaus mehrere lange Reihen mit grünen Paprika heran. Obwohl sie noch etwas Zeit brauchen wird, ist die gesamte Ernte bereits verkauft – und wird in den Export nach Europa gehen. Zum Teil ebenfalls unter Folie, zum Teil im Freiland setzen parallel gerade hunderte von Tomatenpflanzen Frucht an. Auch verschiedene Kohlsorten und Spinat gedeihen prächtig.
Nicht zu vergessen: Im Spätsommer hatten über 20 bei Bauern in der Region gekaufte Schweine ihr Domizil auf der „Demonstration Farm“ bezogen. Sie werden mit Gemüse-Resten und Biertreber aus einer nahegelegenen Brauerei gefüttert. Zur etwa der Hälfte handelte es sich um trächtige Muttersauen, die mittlerweile alle Nachwuchs zur Welt gebracht haben. So wuseln jetzt mehr als 50 Ferkel im Stall umher. Bei der anderen Hälfte, den Mastschweinen, hat die kalorienreiche Kost gut angeschlagen: Sie werden pünktlich zu Weihnachten schlachtreif sein.
Die ersten Landwirtschafts-Azubis bei Sharing werden also in eine bereits funktionierende „Demonstration Farm“ einsteigen. Los gehen soll es für den ersten Kurs mit 30 Lehrlingen zu Jahresbeginn 2022 – die Bewerbungsphase startete das Berufsbildungszentrum direkt mit der Wiedereröffnung.

Schon jetzt ein überaus erfolgreiches Projekt
Auch wenn das eigentliche Ziel, die Ausbildung junger Menschen zu Kleinbauern, wegen Corona noch nicht erreicht werden konnte, ist das „AgroBusiness Project“ aus der Sicht des Sharing Youth Centre schon jetzt überaus erfolgreich. Denn aus den Verkäufen der angebauten Gemüse und der gemästeten Schweine generiert Sharing dringend benötigte Einnahmen, die helfen, das Berufsbildungszentrum am Laufen zu halten. Die Kursgebühren nämlich muss die Schule den Absolventen zumeist bis auf Weiteres stunden – ugandische Familien leben seit Monaten von der Hand in den Mund. Ihre finanziellen Reserven sind aufgebraucht; das Überleben muss täglich neu erkämpft werden.
Vor diesem Hintergrund trägt ein anderes aus Hetzerath gefördertes Sharing-Projekt erstaunliche Früchte: Das mit einem kleinen Kredit aus dem eigenen Investment Fund eröffnete Sharing Restaurant neben dem Eingang zum Schulgelände läuft immer besser. Zwei bei Sharing in Catering ausgebildete Nachwuchskräfte wachsen gerade in das Management hinein. Und die Zahl der Stammgäste steigt Corona zum Trotz stetig – sie schätzen die Qualität des Essens. Selbstverständlich verarbeitet die Küche des Sharing Restaurant bevorzugt Produkte der „Demonstration Farm“ im Sharing Garden …

12. August 2021

Trotz Lockdown und Schulschließung:
Die Farm von Sharing nimmt weiter Gestalt an

Die Zahl der Toten steigt stetig in Uganda: Immer mehr Menschen sterben am Hunger, der aufgrund des erneuten Corona-Lockdowns im Land grassiert. Besonders angespannt ist die Versorgungslage in den Städten, und vor allem in der Hauptstadt Kampala. Unzählige Familien leben dort im wahrsten Sinn des Wortes „von der Hand in den Mund“. Schon in normalen Zeiten konnten sie sich frische Lebensmittel oft nur dann leisten, wenn ein Familienmitglied einen Gelegenheits-Job ergattert hatte. Jetzt aber verlängerte die Regierung den am 7. Juni verhängten Lockdown (siehe dazu Beitrag vom 10. Juni 2021 unten) auf unbestimmte Zeit. Das heißt für viele: keine Verdienstmöglichkeit und damit kein Essen. Gleichzeitig sind die Preise für Lebensmittel erneut stark gestiegen.
Dabei hatten die Menschen gerade erst wieder Mut gefasst. Nach dem Schock des 7-monatigen harten Lockdowns 2020 war die Wirtschaft des Landes im ersten Halbjahr 2021 wieder gut in Tritt gekommen; der Alltag unter Einhaltung von Corona-Vorsichtsmaßnahmen hatte sich eingespielt. Bereits die erneute Schließung, begründet mit der steigenden Zahl an Infizierten, sorgte für enorme Frustration in der Bevölkerung. Da die Infizierten-Zahlen jedoch deutlich sanken, herrschte große Hoffnung auf baldige Wieder-Öffnung. Umso schlimmer die Enttäuschung, als der Präsident die Verlängerung des Lockdowns verkündete – und das Ende auch noch mit Erreichen einer Impfquote verknüpfte. Denn Impfstoffe sind in Uganda absolute Mangelware. Vor diesem Hintergrund verstärkte eine „Hilfsaktion“ der Regierung den Unmut sogar noch weiter: 523.000 ausgewählte Personen (von insgesamt rund 46 Millionen Einwohnern) erhielten jeweils 100.000 Uganda-Shilling als Soforthilfe. Das sind umgerechnet 22 Euro – eine Familie mit 5 oder 6 Kindern kommt damit keine Woche über die Runden.
3.000 Euro aus Hetzerath für den Nothilfefonds
Auch in der Community rund um unseren Projektpartner Sharing Youth Centre gibt es immer mehr Familien, die sämtliche Reserven aufgebraucht haben. Um die schlimmste Not zu lindern, wurden vom Hetzerather Uganda-Konto 3.000 Euro in den Sharing-Nothilfefonds überwiesen. Der Betrag stammt überwiegend aus Einzelspenden, die in der letzten Zeit getätigt wurden. Mit dem Geld beschafft ein eigens eingesetztes Komitee der Sharing Community Grundnahrungsmittel wie Mehl oder Öl und verteilt diese an die Bedürftigsten.
Die „Demonstration Farm“ kann bald produzieren
Trotz Lockdown planmäßig voran kommt das mit Geld aus dem deutschen Entwicklungshilfeministerium geförderte „AgroBusiness Project“, an dessen Ende Sharing über eine „Demonstration Farm“ für die landwirtschaftliche Ausbildung verfügen wird. Die vorhandene Quelle auf dem Gelände ist gefasst und speist einen 10.000 Liter fassenden Beton- sowie zwei jeweils 5.000 Liter fassende Plastik-Tanks. Über eine solarbetriebene Verteilungsanlage können alle Bereiche der Farm punktgenau mit Wasser versorgt werden.
Zuletzt wurde das eben errichtete Folienhaus an die Wasserversorgung angeschlossen; es kann damit für die Anzucht eigener Pflanzen genutzt werden. Neben verschiedenen anderen Gemüsen sollen auf dem Gelände der Farm aktuell mehrere hundert Tomatenstöcke gepflanzt werden. Dank der über das Projekt geschaffenen Bewässerungsmöglichkeit werden sie auch in den jetzt kommenden trockenen Monaten gut gedeihen, wenn auf dem Markt die höchsten Preise zu erzielen sind.

Im ebenfalls bereits fertigen Schweinestall haben die ersten trächtigen Muttersauen Einzug gehalten. Bald sollen sie (hoffentlich viele) Ferkel haben, die aufgezogen werden können. Dank sorgsamem Umgang mit dem Fördergeld aus Deutschland konnte auch gleich noch ein Unterstand gebaut werden, in dem zusätzlich noch Hühner gehalten werden sollen.
Im anhaltenden Lockdown ist natürlich auch die Berufsschule von Sharing weiterhin geschlossen. Um bei einer Öffnung sofort „startklar“ zu sein, wurde dennoch bereits ein erster landwirtschaftlicher Ausbildungskurs ausgeschrieben – und stieß auf großes Interesse. Wann er beginnen kann, ist ungewiss. Die täglich anfallende Arbeit auf der Farm leisten deshalb derzeit das Mitarbeiterteam der Schule und jugendliche Freiwillige aus der Sharing Community.

10. Juni 2021

Schulen in Uganda wieder geschlossen:
Rückschlag für das Sharing Youth Centre

Dank harter Arbeit und vieler gemeinsamer Anstrengungen schien es nach der großen Krise endlich wieder aufwärts zu gehen beim Hetzerather Projektpartner Sharing Youth Centre in Uganda. Doch jetzt sind leider erneut schwierige Zeiten angebrochen: Weil die Zahl der Corona-Infizierten im Land stieg, schloss die Regierung am 7. Juni ohne Vorankündigung sämtliche Schulen im Land. Auch das Berufsschulzentrum von Sharing, das gerade wieder gut in Schwung gekommen war, musste “von jetzt auf gleich” die Arbeit einstellen. Nach nur einem Monat Unterricht mussten sämtliche Schülerinnen und Schüler, die am 3. Mai ihre Ausbildung begonnen hatten, nach Hause geschickt werden. “Viele haben geweint”, berichtet Schulleiter Father Hilaire Guiko von dem Montagvormittag, als er mit der schlechten Nachricht die Runde durch die Klassenräume machte. Doch bis zur Mittagszeit war das Schulgelände wieder verwaist.
Denn vor allem für diejenigen unter den Schülerinnen und Schülern, die für die Chance auf einen Berufseinstieg aus ländlichen Gebieten zu Sharing in die Hauptstadt Kampala gekommen waren, war Eile geboten. Sie mussten sozusagen Hals über Kopf aufbrechen. Denn gleichzeitig mit der Schulschließung kündigte die Regierung an, dass ab 10. Juni keine Überlandfahrten in Uganda mehr erlaubt sind – wer bis dahin sein Heimatdorf nicht erreicht hatte, sitzt fest. Wie im langen, harten Lockdown von 2020, als das Leben im Land für Monate zum Erliegen kam und zeitweise sogar die Lebensmittelversorgung zusammenbrach, überwacht das Militär die Einhaltung der Corona-Regeln streng – und scheut erfahrungsgemäß nicht vor Gewaltanwendung zurück.
Die Schulschließung soll gemäß Anordnung des Präsidenten zunächst 42 Tage dauern, also bis Mitte Juli. Für diesen Zeitraum haben die Lehrkräfte den Auszubildenden Aufgaben und Tipps zum eigenständigen Weiterlernen mit auf den Weg nach Hause gegeben. Für Studierende, die Zugang zum Internet haben, stehen auch Online-Einheiten bereit. Unklar ist, wie es danach weitergehen wird. Es ist nicht bekannt, von welchen Fakten die Regierung die Entscheidung über eine Wiedereröffnung abhängig machen wird.
Ebenfalls verboten sind derzeit Gottesdienste – weshalb es kürzlich erstmals eine gestreamte Sonntagsmesse gab – und Veranstaltungen wie Familienfeiern. Auch das trifft Sharing hart: In den vergangenen Monaten war es gelungen, die große Mehrzweckhalle wieder für diverse Aktivitäten zu vermieten. Über die Halle hatte Sharing “vor Corona” einen beträchtlichen Teil der Einnahmen erzielt, die notwendig sind, um den laufenden Betrieb zu finanzieren und die Schulgebühren erschwinglich zu halten.
Immerhin dürfen der neue Friseursalon, das Sharing Restaurant und der Schneiderladen mit Änderungswerkstatt weiter betrieben werden, zwar unter strengen Corona-Auflagen und nur bis 19 Uhr, aber alle drei erst kürzlich in einem Neubau am Eingang eröffneten „Betriebe“ konnten sich in kürzester Zeit gut am Markt etablieren.
Und auch die Bauarbeiten für unser aktuelles Projekt, die Demonstration Farm für den neuen landwirtschaftlichen Ausbildungsgang, können weitergehen. Große Teile des Zauns um das Gelände stehen bereits, die Maurer sind fast fertig mit den Wänden des Schweinestalls, die Arbeiten zur Fassung der Quelle im Sharing Garden haben begonnen.
Wir hoffen mit den ugandischen Freunden, dass die erneute Schließung bald wieder ein Ende findet!